Gedenktag zur Schliessung des Erzbergwerks Fortuna im Jahr 1963

Mit dem Eisenerzbergwerk Fortuna wurde in der Gemeinde Groß Döhren.über viele Jahre eines der größeren Eisenerzbergwerke betrieben. Bereits im Jahr 1869 erwarb der Eisenbahnpionier Henry Strousberg dort die ersten Erzfelder und begann den Erzabbau noch im Tagebau. Durch Besitzerwechsel und in wirtschaftlichen Krisenzeiten kam es aber wiederholt zur Einstellung oder Stundung des Bergbaubetriebes. Erst mit der Autarkiepolitik des Dritten Reichs wurde wieder investiert, da sich nun geregelte Absatzverhältnisse ergaben. Der Tiefbaubetrieb wurde ausgebaut, so dass die Produktion 1936 bereits auf über 300.000 Jahrestonnen stieg. Die Erweiterung der Anlage wurde auch in der Nachkriegszeit fortgesetzt. 1954 schloß man das benachbarte Bergwerk Morgenstern an; zunächst über eine Seilbahn, ab 1959 über eine Verbindungsstrecke auf +50 m NN. Die Jahresproduktion stieg damit auf über 800.000 t bei rund 500 Beschäftigten. Allerdings machten die Absatzprobleme des deutschen Eisenerzbergbaus auch vor Fortuna-Morgenstern nicht Halt. Die Hütten an der Ruhr als wichtigste Erzabnehmer stellten Anfang der 60er Jahre den Bezug von Fortuna-Erz ein und der Tiefstand der Erzpreise verschärfte das Absatzproblem zusätzlich. Zum 30.Juni 1963 beendete das Bergwerk die Erzproduktion.

Aus heutiger Sicht steht fest, dass neben dem Bergwerk Georg-Friedrich vor allem die Grube Fortuna Ursache für die Umstrukturierung der Gemeinden Groß und Klein Döhren von einer landwirtschaftlich dominierten Erwerbsstruktur zu einer Bergarbeitersiedlung war. Während viele alteingessene Familien Bergleute unter ihren Vorfahren haben, sind auch von den Bergbaubetrieben 50 Jahre nach der Stilllegung noch zahlreiche Baudenkmäler vorhanden.

Am 25. Mai 2013 organisierte der Arbeitskreis Döhrener Bergbau und Geschichte zusammen mit dem Förderverein Schroederstollen e.V. eine Veranstaltung zum 50. Schliessungstag der Grube Fortuna. Für solche Veranstaltungen haben wir die Bezeichnung "Grubengedenktag" gewählt, denn von einer Jubelfeier kann man bei diesem Anlaß nun wirklich nicht reden. Organisatorische Vorbereitungen begannen bereits Monate im Voraus. Am Veranstaltungstag selbst geht es in der Regel um 5:00 Uhr morgens mit dem Anheizen des Backhauses los.

Der Döhrener Arbeitskreis bewahrt die Kenntnisse über alte Handwerkstraditionen. Dazu gehört das in altem Stil neu errichtete und voll einsatzfähige Backhaus neben der Schule. Neben vielen für die Region typischen Backwaren wird hier  vorrangig Brot gebacken. Während sich städtische Backwarengeschäfte mittelerweile mit zweifelhaftem Stolz als "Backfabrik" bezeichnen, wird hier das genaue Gegenteil zelebriert. Entschleunigung pur.

In Heimarbeit entstanden dagegen zahlreiche Kuchenspenden, die den Aufbau eines reich gedeckten Kaffeetischs ermöglichten.

Um 11:00 Uhr eröffnete Arnold Kipke als Ortsheimatpfleger die Veranstaltung. Flankiert wurde er von Bergleuten, welche die Arbeit in den Bergwerken der Gemeinde Liebenburg noch selbst erlebt haben. Danach folgten weitere Ansprachen, das obligatorische Absingen des Steiger-Liedes und ein ökumenischer Gottesdienst.

Außerdem konnten wir auch wieder den Besuch lieber Gäste verzeichnen.

In den Fluren der Schule hatten wir ausgesuchte Bilder zur Grube Fortuna-Morgenstern aus dem Bestand des Heimatmuseums aufgehängt. Zahlreiche Fragen entstanden, die in der Regel sofort von den anwesenden Mitarbeitern des Arbeitskreises beantwortet wurden. Besucher konnten wir dabei selbst aus dem hohen Norden (Bremen) begrüßen.

Im Untergeschoss war die Ausstellung des Heimatmuseums geöffnet. Hier erkundet der Nachwuchs die Bergbauabteilung.

Im Verbindungsgang informierte der Förderverein Schroederstollen e.V. über das zweite große Bergwerk in Döhren, die Grube Georg-Friedrich, und über seine Aktivitäten zum Erhalt des Schroederstollens. Auch hier waren die Fragen und die Besucher zahlreich.

Die Aktivitäten beschränkten sich nicht nur auf den Bereich des Heimatmuseums. Freundlicherweise hatte der Besitzer der ehemaligen Tagesanlagen der Grube Fortuna das Betreten seines Geländes an diesem Tag gestattet. Wir hatten einen Buspendel zwischen Museum und Tagesanlagen eingerichtet und im stündlichen Rythmus erläuterte der Vorsitzende des Fördervereins Stefan Dützer den Besuchern die nicht wenigen verbliebenen Reste der Anlage.

Die meisten Leute haben heutzutage keine Kenntnis mehr davon, was einst in ihrer Nachbarschaft an Industrieanlagen aktiv war (und für Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sorgte). Bestensfalls die gründlich verunglückte Nachnutzung durch bergbaufremde Betreiber (Deponie Morgenstern) ist bekannt. Weniger die von Wasservögeln bevölkerten ehemaligen Klärteiche oder die zu Naturreservaten verwandelten alten Tagebaue.

Einen guten Eindruck von der Ausdehnung der Gebäude um die Hauptschächte der Grube Fortuna gibt diese von Wolfgang Fricke entworfene Ansicht Richtung Nordosten auf den Salzgitter-Höhenzug. Was fehlt, ist noch der links außerhalb des Bildes gelegene Bergebunker und die Verbindungsbahn zum Bahnhof Othfresen und der Grube Ida. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz, die Bunker werden teilweise von brütenden Greifvögeln genutzt. Bitte nicht ungefragt betreten.

Die Wanderung beginnt am Schachtgebäude Schacht 2. Dieser Schacht wurde von 1956 bis 1959 auf eine Teufe von 439,5 m abgeteuft. Seine Aufgaben waren die Übernahme der Förderung der Verbundanlage Fortuna-Morgenstern, die Erschliessung der tieferen Erzvorräte unterhalb der 5. Sohle und der Ersatz des veralteten und mitten im Erzlager stehenden Förderschachtes 1. Technisch wurde die Förderung mit zwei Treibscheibenfördermaschinen ausgerüstet. Für die Morgensternerze eine Behälterförderung von der 3. Sohle, für die anderen Sohlen eine Gestellförderung. Vom Gebäude aus führte eine Bandbrücke zum Roherzbunker, außerdem im Kellerniveau ein Gang zur Mannschaftskaue sowie ein Leitungskanal zur Kraftzentrale. Der Schacht wurde kurz nach der Stillegung vollständig verfüllt.

Vorbei an den Berufschulräumen und der Lehrwerkstatt führt der Weg zur Aufbereitungsanlage, von der allerdings nichts mehr zu sehen ist außer baumbestandenen Flächen.

Hinter dem alten Lagerschuppen ragt der Mischerzbunker empor. Beschickt wurde er über die Bandbrücke von Schacht 2 sowie aus dem links davon gelegenen Tiefbunker für das per Bahn antransportierte Erz der Grube Ida. Unter dem Bunker selbst befand sich eine weitere Bandbrücke, die das Erz zur Aufgabe der Erzaufbereitung transportierte.

Im weiteren Verlauf des Weges gelangen wir zum Gebäudekomplex um den ehemaligen Schacht 1, der hauptsächlich in den Jahren um 1935/36 errichtet wurde. Hier fällt zuerst die heute von Privatleuten bewohnte alte Verwaltung des Erzbergwerks auf. Schaut man genau hin, entdeckt man im Kopfsteinpflaster vor dem Gebäude noch Reste von normal- und schmalspurigen Gleisen der Anschluß- und Grubenbahnen.

Den Gleisen folgend erreichen wir das Werkstattgebäude.

Um schließlich an der Vorzerkleinerung von Schacht 1 die Tour zu beenden. Das Fördergerüst von Schacht 1 befand sich direkt hinter diesem Gebäude. Dieser Schacht entstand 1936 durch Erweiterung des alten Stapelschachtes. Bei einer Teufe von 305,6 m war dieser viertrümige Schacht mit je einer Gestell- und einer Gefäßförderung ausgerüstet. Er wurde bereits 1960 wegen des Erzabbaus im Schachtsicherheitspfeiler stillgelegt und schließlich verfüllt.

Wir danken Herrn Klaus Steding als Besitzer der Anlage für die Gelegenheit, dort Führungen für Ortsfremde durchführen zu können. Gleichzeitig können wir froh sein, dass er die verbliebenen Gebäude des Bergwerks in einen gepflegten und dem Original sehr nahe kommenden Zustand zurückversetzt.

Fotos: Holger Dudei, Astrid & Stefan Dützer, Wolfgang Fricke, Holger Pecher, Siegfried Wielert